Autobauer lassen Potenziale von Car Connectivity ungenutzt

Press Contact

Mobile Vernetzungstechnologie in Form von Car Connectivity sorgt zunehmend für steigendes Kundeninteresse. Dieses Marktpotenzial wird aber bisher von Automobilherstellern und -zulieferern noch nicht voll ausgeschöpft.

Deutsche Kunden würden bei einem Neuwagen Car-Connectivity-Funktionen im Wert von 440 Euro als Option auswählen. In den USA ist dies den Kunden sogar bis zu 1.070 Dollar wert. Das ergibt eine von Simon-Kucher & Partners durchgeführte Studie* zur Zahlungsbereitschaft von Endkunden für Services, die durch Connectivity ermöglicht werden.

Im Allgemeinen sind deutschen Kunden Car-Connectivity-Funktionen genauso wichtig wie Infotainment und Navigation. Lediglich die Fahrerassistenz sowie Komfort-Optionen stufen sie noch höher ein. Anders in den USA: Dort bewerten die Kunden nur die Fahrassistenz als noch wichtiger als Car Connectivity. Der deutliche Unterschied zwischen Deutschland und den USA erklärt sich aus dem verstärkten Bewusstsein und der bereits vorhandenen Erfahrung mit Connectivity Services der amerikanischen Kunden. Zudem gibt es in den USA bereits mehr Car-Connectivity-Angebote; außerdem verbringen Amerikaner mehr Zeit im Auto. In Deutschland hingegen sind Bedenken zur Datensicherheit nach wie vor vorherrschend.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie: Sobald die Teilnehmer entschieden hatten, welche Car-Connectivity-Funktion für sie am wichtigsten ist – zur Auswahl standen zum Beispiel Automated Roadside Assistance, Condition-Based Services, Remote Services, Online Navigation oder Online/Digital Entertainment –, spielte der Preis keine Rolle mehr. Das bedeutet, die Preiselastizität für die einzelnen Car-Connectivity-Funktionen ist gering.

Diese Zahlungsbereitschaft schöpfen die meisten Automobilhersteller bereits mit ihren konfigurierbaren Connectivity Services aus. Dazu gehören unter anderem ConnectedDrive von BMW, OnStar von General Motors oder Car-Net von Volkswagen. Car Connectivity bietet aber darüber hinaus noch weitere indirekte Vorteile, die die meisten Hersteller und Zulieferer noch nicht annähernd vollständig für sich nutzen. So bieten sich mit Bestandteilen wie einer integrierten vorausschauenden Wartung, automatisiertem Pannenservice oder einem Concierge Service umfassende Möglichkeiten zur Datenerhebung und zum Customer Relationship Management. „Im Bereich Aftersales kann durch professionelle Nutzung dieser Daten die Loyalität der Kunden um bis zu fünf Prozentpunkte gesteigert werden“, erklärt Dr. Martin Gehring, Partner bei Simon-Kucher & Partners. „Die Margen im Bereich Aftersales sind um einiges höher als beim Autokauf. Wenn die Hersteller hier nicht aktiv werden, laufen sie Gefahr, ihr Stück vom Kuchen an andere Marktteilnehmer zu verlieren.“

Die durch Car Connectivity verfügbaren Daten bergen also ein umfassendes Monetarisierungspotenzial, das noch unzureichend genutzt wird. Gehring: „Autohersteller und -zulieferer sollten ihre Geschäftsmodelle auf Zukunftsfähigkeit prüfen und die Monetarisierung von Services sowie die daraus resultierenden Daten bereits frühzeitig in Betracht ziehen.“


*Studie Car Connectivity: Für die Studie wurden in den USA 992 und in Deutschland 904 Testpersonen, die Car-Connectivity-Funktionen grundsätzlich in Erwägung ziehen, befragt. In einem Online-Fragebogen wurden ihnen Connectivity-Funktionen mit variierenden Preisen gezeigt, aus denen sie in zwölf Sequenzen die Artikel wählen sollten, die sie zum angezeigten Preis kaufen würden.

Dr. Martin Gehring ist Partner bei Simon-Kucher & Partners. Er ist spezialisiert auf Marketing- und Pricingstrategien in der Automobilindustrie.

Simon-Kucher & Partners, Strategy & Marketing Consultants: Die Beratungsarbeit von Simon-Kucher & Partners ist ganz auf TopLine Power® ausgerichtet. Laut mehrerer Studien unter deutschen Top-Managern (manager magazin, Wirtschaftswoche, brand eins) ist Simon-Kucher bester Marketing- und Vertriebsberater und führend im Bereich Pricing und Wertsteigerung. Die Unternehmensberatung ist mit über 1.000 Mitarbeitern in 34 Büros weltweit vertreten.