Mobile Payment in Deutschland – wer macht das Rennen?

Deutsche Banken hinken beim Thema Mobile Payment hinterher. Branchenfremde Big Player drohen Finanzinstituten das Wasser abzugraben. 

Bonn/Frankfurt, 15. Oktober 2014 – Nur Bares ist Wahres – nach diesem Prinzip funktioniert im Online-Zeitalter weitestgehend der Zahlungsverkehr in Deutschland. Noch. Mobile Payment kommt langsam aber sicher. Sowohl kleine Start-Ups als auch die „Großen“ Google, Apple und Paypal buhlen hierzulande mit innovativen Bezahlmöglichkeiten um Kunden. Immerhin hat Paypal in Deutschland bereits 15 Millionen Kunden – mehr als die Commerzbank! Und 20 Prozent der Online-Käufe werden bereits über Paypal abgewickelt[1]. Doch es gibt derzeit keinen Standard, der sich im Bereich Mobile Payments durchgesetzt hat. Zahlreiche branchenfremde Player wollen diesen setzen. Auch Anbieter wie Visa oder MasterCard versuchen, gemeinsam mit T-Mobile und Vodafone Produkte am Markt zu etablieren. Angebote sind also da – jedoch kaum von ansässigen Banken. Warum entwickeln sich Mobile Payments in Deutschland überhaupt so langsam?

Die Deutschen bezahlen traditionell einfach gerne bar. Beispielweise wurde 2013 über die Hälfte aller Einkäufe im stationären Handel mit Bargeld bezahlt. Und nur jeder Dritte in Deutschland verfügt über eine Kreditkarte, die ja oft ein wesentliches Element des Mobile Payments ist[2]. Stattdessen sind EC-Karten noch weit verbreitet: denn das flächendeckende Netz an Geldautomaten ist einfach zu bequem für den Kunden. Dennoch ist Mobile Payment auf dem Vormarsch. Welche Anbieter werden das Rennen machen? Wenn die Banken nicht branchenfremden Playern wie Google, Apple oder Paypal das Feld überlassen wollen, sollten sie jetzt schnell ihre Hausaufgaben machen. Denn für die deutschen Banken scheint Mobile Payment noch „Neuland“ zu sein. Sie sollten wissen, was die Kunden wollen, wo die Mehr-Werte für ihre Kunden liegen und wie hoch deren Zahlungsbereitschaft ist. Erst dann können Banken Mobile Payment Services in attraktive Angebote verpacken. 

Insbesondere Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken haben den Vorteil, nah am Kunden zu sein. Sie können ihre starke Position nutzen, den Kunden die Schwellenangst nehmen und Mobile Payments beispielsweise in bestehende Konten integrieren. Außerdem könnten die gut vernetzten Regionalbanken ihre Kräfte leicht bündeln und gemeinsam stärker auftreten – beste Chancen, um DEN Mobile Payment Standard zu setzen und den Markt als Vorreiter mitzugestalten. Also muss die Devise muss lauten: Nicht den Branchenfremden das Feld überlassen, Mobile Payments jetzt vorantreiben – wer will schon dem Verlust seines künftigen Kundenstamms riskieren?

 

Jens Baumgarten ist Partner bei Simon-Kucher & Partners, Head of Financial Services North America mit Sitz in New York und Frankfurt.

 

Simon-Kucher & Partners, Strategy & Marketing Consultants:
Die Beratungsarbeit von Simon-Kucher & Partners ist ganz auf „Smart Profit Growth“ ausgerichtet. Laut manager magazin-Umfragen unter deutschen Top-Managern ist Simon-Kucher bester Marketing- und Vertriebsberater (2007 und 2011). Eine aktuelle Studie der Zeitschrift brand eins Thema und Statista (Mai 2014) stuft Simon-Kucher als besten Berater für Marketing & Pricing sowie Vertrieb & CRM ein. Die Unternehmensberatung ist mit 720 Mitarbeitern in 28 Büros weltweit vertreten.


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[1] Quelle: Handelsblatt vom 3.9.2014, „Die Umarmungstaktiker“

[2] Quelle: Handelsblatt vom 3.9.2014, „Nur Bares ist Wahres – warum Apple der Geldbörse im Handy nicht zum Durchbruch verhelfen wird“