Zahlungskontengesetz: Na und?

Kundennutzen muss von der Bank gelebt werden – und nicht reguliert. Ein Kommentar von Banking-Experte Jens Baumgarten*

Bonn/Frankfurt, 25 August 2015 – Nach MiFID und PSD2 wird im Zuge der Regulierungen nun eine neue Sau durchs Dorf getrieben: das Zahlungskontengesetz. Die EU-Richtlinie soll den Wechsel des Girokontos erleichtern – zugunsten der finanziellen Mobilität der Verbraucher – und im Frühjahr 2016 in Kraft treten. Sofort herrscht wieder überall helle Aufregung, die üblichen Stimmen melden sich, die Banken müssten sich bis dahin rüsten, sonst verlören sie Kunden en masse. Ist das so? Erinnern wir uns an The Current Account Switching Service‘-Gesetz, das im September 2013 in Großbritannien eingeführt wurde. Der Regulator verringerte gesetzlich die Wechselbarrieren und ermöglichte es den Kunden, ihre Girokonten innerhalb von sieben Tagen zu wechseln. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd: es gab nahezu keine Änderung im Kundenverhalten und die Wechselquoten sind mit 3,7 Prozent (vorher 3,5 Prozent) nur minimalst gestiegen[i]. Wird das Zahlungskontengesetz analog dazu also den großen Umbruch im deutschen Bankensektor bringen? Sicherlich nicht. Traurig genug, dass der Gesetzgeber die Branche erst in die richtige Richtung zwingen muss. Denn dass ein Finanzdienstleister den Kundennutzen voranzustellen hat, ist wahrlich kein neues Phänomen, dem Banken plötzlich hilflos ausgesetzt sind. Vielmehr sollte es eigentlich ein zeitloses Pflichtprogramm sein, an dem Banken kontinuierlich seit Jahr(zehnt)en arbeiten. Einer Bank, die Freundlichkeit, Sicherheit und Transparenz vermittelt, unkomplizierte Produkte und wahren Kundenservice bietet, laufen die Kunden nicht einfach so davon. Auch nicht, wenn der Gesetzgeber es erleichtern mag. Auch nicht, wenn Wettbewerber mit Dumpingpreisen locken.

Im Klartext: Die Bank, die diese weitere Regulierung am Ende wirklich kratzt, hat schon seit Jahren ihre Hausaufgaben nicht mehr gemacht und trifft die Bedürfnisse der Kunden so oder so nicht. Regulierungen werden da auch nicht helfen, denn der Kunde entscheidet selbst, ob er bleibt oder geht. Den Kunden ernst nehmen – dazu ist kein Gesetz nötig, das sollte selbstverständlich sein. Natürlich muss man mit der Zeit gehen und Zugriff auf Multikanal-Präsenzen ermöglichen, Mobile Payment anbieten – aber das alles bitte nur unter der Berücksichtigung des Kundennutzens.

Am Beispiel der erfolgreichen Regionalbanken wird das deutlich: die Präsenz vor Ort scheint in Zeiten von Mobile Banking und Personal Financial Management Apps, ein alter Hut zu sein, ist aber im Sinne des Kunden. Und das ist nur ein Attribut von vielen. Die Bank, die die Kundenbedürfnisse beherzigt und sich am Kunden orientiert, Produkte und Services transparent und einfach gestaltet, den Servicegedanken verinnerlicht hat, wird seine Kunden dauerhaft halten – ob mit oder ohne Regulierung.

*Jens Baumgarten ist Partner der Marketing- und Vertriebsberatung Simon-Kucher & Partners und von Frankfurt/Mail, New York und Wien aus tätig.

 

Simon-Kucher & Partners, Strategy & Marketing Consultants: Die Beratungsarbeit von Simon-Kucher & Partners ist ganz auf TopLine Power® ausgerichtet. Laut Studien der Zeitschrift brand eins Wissen und Statista (Mai 2014/2015) stuft Simon-Kucher als besten Berater für Marketing & Pricing sowie Vertrieb & CRM ein. Die Unternehmensberatung ist mit 800 Mitarbeitern in 29 Büros weltweit vertreten.


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[i] Quelle: Current Account Switching Index - One year on, www.tnsglobal.com/uk