Varianten- und Komplexitätsmanagement

Das Streben nach Kundenorientierung zusammen mit der Einführung flexibler Fertigungsmethoden hat zu einer starken Produktdifferenzierung in der Automobilindustrie geführt. Immer mehr Kundensegmente werden immer individueller bedient. Diese Strategie der Produktdifferenzierung findet sich bei allen Automobilherstellern. Auf zunehmend gesättigten Märkten richten die Hersteller Aggregate, Karosserien und Fahrwerke zunehmend an den spezifischen Ansprüchen der Kunden aus.

Mit der erhöhten Produktvielfalt steigen allerdings auch die Vielfaltskosten in allen Bereichen der Wertschöpfungskette. Zu nennen sind z. B. Einkaufs-, Logistik- und Fertigungskosten im Neufahrzeug- und After-Sales-Geschäft. Dieser gegenläufige Effekt der Angebotsvielfalt wird im Rahmen des Vielfaltsmanagement koordiniert. Die Herausforderung besteht hierbei in der Ermittlung der Absatz- sowie der Kostenwirkung zusätzlicher Produktvarianten.

Wir beraten Automobilhersteller bei den wesentlichen Aufgabenstellungen des Variantenmanagements, der Variantengenerierung, der Variantenreduzierung und der Variantenbeherrschung. Ziel der Generierungs- und Reduzierungsstrategien ist es, Produktvarianten anzubieten, die der Kunde wertschätzt und für die er eine den Kosten entsprechende Preisbereitschaft zeigt. Ziel der Variantenbeherrschung ist es dagegen eine gegebene Variantenvielfalt effizient anzubieten.

Projektbeispiel „Sortimentsgestaltung im After Sales“

Ausgangssituation und Zielsetzung

In Folge der enormen Modell- und Ausstattungsexplosion ist es bei Automobilherstellern keine Seltenheit, dass nur ca. 5% bis 10% aller Ersatzteile ca. 95% des gesamten Ersatzteilumsatzes erwirtschaften.

Oft zeigen unsere Analysen, dass sich mehrere Zehn- oder Hunderttausend Ersatzteile im Schnitt lediglich 5 bis 10 mal pro Jahr verkaufen. Diese Menge an Niedriggängern verursacht jährlich zum Teil zweistellige Millionenbeträge an Vielfaltskosten. Aufgrund der Nachversorgungspflicht für die im Markt befindlichen Fahrzeuge können ungängige Ersatzteile allerdings nicht einfach aus dem Sortiment genommen werden.

Vor diesem Hintergrund sollte eine Strategie für die Sortimentsgestaltung entwickelt werden, die unter Berücksichtigung der Kundenanforderungen die Wirtschaftlichkeit des Sortiments entscheidend verbessert.

Vorgehen und Strategieempfehlung

Auf der Basis interner Workshops und Diskussionen mit allen relevanten Bereichen werden messbare Strategien zur kundenbedarfsorientierten Vermeidung und Reduzierung der Ersatzteilvielfalt entwickelt. Diese Strategien werden in einem Regelwerk mit festen Entscheidungswegen und Schwellenwerten dokumentiert.

In der Sortimentsanlage steuern diese Regeln die Aufteilungstiefe, die Satzbildung und die Anlage von Farb- und Materialvarianten. Wesentliche Kriterien sind dabei die Reparaturkosten, die Wettbewerbsintensität und die Zumutbarkeit von Basisvarianten für den Kunden.

In der Sortimentsreduzierung wird die Nachversorgungsdauer von Ersatzteilen anhand der Teilekategorie bestimmt. Beispielsweise haben Funktionsteile eine längere Lebensdauer als Designteile, Hochdreher eine längere Lebensdauer als Niedrigdreher und Ersatzteile für Klassiker eine längere Lebensdauer als solche für Volumenfahrzeuge.

Wesentlicher Erfolgsfaktor der Projekte ist oft die Analyse der Vielfaltskosten anhand einer umfassenden Prozesskostenrechnung im After Sales. Ohne die spezifische Aufschlüsselung der Kosten gelingt es nicht, das Bewusstsein in den betroffenen Bereichen zu wecken und ein Umdenken einzuleiten.






© 2008 Simon - Kucher & Partners | Impressum

go to the top ...