5G-Netzausbau: „Die Situation macht einen neuen Monetarisierungsansatz dringend nötig“

June 27, 2019

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5G steht in den Startlöchern – das berichten die Meiden schon lange. Wie ist der Status tatsächlich?

Ekkehard Stadie: Die Versteigerung der Lizenzen für 5G wurde kürzlich nach langem Hin und Her beendet. Das Ergebnis: Die vier Provider Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1und1 Drillisch haben laut Bundesnetzagentur für die 5G-Frequenzblöcke insgesamt 6,5 Milliarden Euro bezahlt. Das war deutlichmehr als erwartet – Fachleute hatten im Vorfeld nur mit drei bis fünf Milliarden Euro gerechnet. Die Teilnehmer beklagen jetzt auch schon, dass ihnen dieses Geld für den Netzausbau fehlt. Unserer Meinung nach macht die Situation vor allem einen neuen Monetarisierungsansatz dringend nötig. 

Also sind die hohen Kosten für die Frequenzen das einzige Hindernis beim Ausbau von 5G? 

Kajetan Zwirglmaier: Sie sind ein Faktor unter mehreren. Die höher ausgefallene Gesamtrechnung ist definitiv ein Weckruf, intensiv darüber nachzudenken, wie sich die Monetarisierung von 5G von der bisheriger Mobilfunknetze unterscheiden muss. Denn durch die Einführung einer vierten Infrastruktur erhöht sich die Wettbewerbsintensität in Deutschland vermutlich. Einige internationale Märkte zeigen beispielsweise, dass hier 5G schon kurz nach Einführung zu 4G-Preisen erhältlich ist. Für den deutschen Markt wäre diese Entwicklung toxisch.

Wie funktioniert die Preissetzung im Telekommunikationssektor üblicherweise?

Ekkehard Stadie: Heutzutage unterscheidet sich das Pricing für Mobilfunkprodukte fast nur noch in der Größe der enthaltenen Datenpakete. Das ist einfach für den Kunden, aber langfristig zu simpel, um die Angebote erfolgreich zu monetarisieren. Unser Meinung nach sind andere Kriterien die Basis für eine erfolgreiche Vermarktung: Beispielsweise ist Geschwindigkeit ein Wert an sich, den Betreiber monetarisieren müssen, Verfügbarkeit ein weiterer.

Wer sind denn die Zielgruppen für die Vermarktung von 5G? 

Kajetan Zwirglmaier: Auf den ersten Blick sind das vor allem Geschäftskunden: Die große Anzahl vernetzter Geräte, höheren Geschwindigkeiten und geringen Latenzen, die im 5G-Netz möglich sind, sind vor allem für B2B-Anwendungen in der Produktion oder in der Robotik relevant. Und dafür sind Unternehmen dann auch bereit, mehr zu bezahlen. Im Privatkundensegment gibt es erfahrungsgemäß nur zwei Gruppen, für die 5G interessant genug ist: das Statussegment und das der Gamer. Um in Deutschland jedoch eine leistungsfähige digitale Infrastruktur aufzubauen, reichen diese Zielgruppen nicht aus. Anbieter müssen auch den breiten Massenmarkt dazu bekommen, für mehr Leistung mehr zu bezahlen. 

Und mit welcher Strategie schaffen die 5G-Provider das?

Ekkehard Stadie: Einer der wichtigsten Schritte ist es, dass sie keinesfalls damit anfangen, die höhere 5G-Leistung zum selben Preis wie 3G/4G abzugeben. Doch das allein reicht natürlich nicht. Vielmehr müssen sie bei der Markteinführung darauf achten, dass der Geschäftskundenbereich eine stärkere Führungsrolle als bisher übernimmt. Ein undifferenzierter Push von 5G in den Markt und über alle Segmente hinweg würde die Monetarisierungsfähigkeit und den Return on Investment von 5G nachhaltig schädigen. 

Kajetan Zwirglmaier: Wir gehen davon aus, dass die vier Anbieter ihre Infrastrukturen nicht flächendeckend, sondern über Jahre hinweg regional unterschiedlich aufbauen. Das schreit nach regionaler Preisdifferenzierung, die international im TK-Markt bereits erfolgreich praktiziert wird. Auch ein dynamisches Pricing, das im Digitalzeitalter Preise auf Nachfrage und Netzbelastung anpasst, sollten die Unternehmen ernsthaft erwägen.