Ein richtiger Schritt: Paketzusteller erwägen Extra-Gebühr für Haustürlieferungen

March 15, 2019

Ein richtiger Schritt: Paketzusteller erwägen Extra-Gebühr für Haustürlieferungen

Waren im Internet bestellen ist bequem – aber nur, wenn Kunden sie bis an die Haustür geliefert bekommen. Diese sogenannte „letzte Meile“ ist für viele Paketzusteller ein echter Kostentreiber. GLS, DPD und Hermes diskutieren deshalb eine zusätzliche Gebühr für Haustürlieferungen. Warum das eine gute Idee und völlig legitime Preisstrategie ist.

3,35 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen wurden 2017 in Deutschland verschickt, berichtet der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK). Das sind rund sechs Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr. Und im Vergleich zum Jahr 2000 eine Steigerung um knapp 100 Prozent. Diese erhöhte Sendungsmenge bei gleichzeitig fehlenden Mitarbeitern stellt Zusteller vor große Herausforderungen – die sie nicht immer meistern. So verzeichnet die Bundesnetzagentur immer mehr Beschwerden über verspätete oder fehlgeleitete Zustellungen. Die Zahl stieg von rund 2.000 im Jahr 2017 auf über 4.000 im vergangenen Jahr. Und die Dunkelziffer ist vermutlich noch weit höher.
 
„Letzte Meile“ schwierigster Teil der Lieferkette

Dabei verfehlen die Lieferdienste ihr Ziel meistens nur haarscharf. Nämlich auf der sogenannten „letzten Meile“, dem Transport der Päckchen zum Briefkasten. Laut Spiegel Online bezeichnen Sprecher von Hermes und DPD diesen Teil der Logistikkette als „massive Herausforderung“. Die letzte Meile sei „der mit Abstand aufwendigste Schritt im gesamten Transportprozess“. Die Zustellung an private Empfänger sei enorm aufwendig; hierbei entstünden etwa 50 Prozent der Gesamtkosten einer Paketlieferung.
 
Diesen Aufwand möchten sich die Logistikunternehmen jetzt bezahlen lassen. Wie der MDR berichtete, erwägen mehrere Paketdienste Preiserhöhungen bei der Zustellung direkt zum Empfänger. Hermes und DPD bestätigten Überlegungen, mittelfristig die Lieferung bis zur Haustür des Kunden als Premiumprodukt einzustufen und damit zu verteuern. GLS hatte solche Zuschläge bei einigen Firmenkunden schon im letzten Weihnachtsgeschäft eingeführt. Dabei verweisen die Unternehmen auf Länder wie Schweden, wo diese Belieferung bereits extra koste. Marktführer Deutsche Post DHL plant nach eigenen Aussagen bislang keine solche Gebühr.
 
Haustürlieferung als Extra-Service – unsere Einschätzung:

Einen Zuschlag für Haustürlieferungen zu erheben, ist jedoch legitim und sinnvoll. Solange Paketzusteller ihren Kunden noch Alternativen bieten, etwa zentrale Abholstationen wie Paketshops, können sie sich auch weiterhin für die preiswertere Variante entscheiden. Andere Branchen verfolgen längst die Strategie eines günstigen Basisangebots; wer zusätzlichen Komfort wünscht, bezahlt dafür auch extra. So beispielsweise Autovermietungen mit individuellem Rückgabeort oder Airlines mit zusätzlicher Beinfreiheit oder mehreren Gepäckstücken.
 
Die „letzte Meile“ zu verteuern, würde den Paketzustellern auch dabei helfen, das Kundenverhalten in die richtige Richtung zu lenken. Aufgrund der hohen Kosten, der niedrigen Gewinnmargen sowie der Belastung für Fahrer und Umwelt bedeutet dies vor allem: weniger Haustürlieferungen. Um die Preiserhöhung für Endkunden auszugleichen, könnten Zusteller neben der Einführung eines Zuschlags für Haustürlieferungen gleichzeitig Alternativen mit Abholung an einem zentralen Lager billiger machen.