Fussball-WM 2018: Karten für Finale kosten 68 Prozent mehr als bei der WM 2006

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Die globale Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners hat die Entwicklung der Ticketpreise der Fußball-WM, der Bundesliga sowie weiterer Fußball-Events analysiert. Das Ergebnis: Fans müssen für Tickets der WM 2018 deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch bei der WM 2006. Aber auch die Bundesligavereine und der DFB haben seit 2006 kräftig an der Preisschraube gedreht: Beim FC Bayern München kostet eine Sitzplatzkarte für ein Bundesligaspiel 75 Prozent mehr als noch vor zwölf Jahren.

Bonn – Wer beim „Sommermärchen“ 2006 in Deutschland ein Ticket der Kategorie 3 zugeteilt bekommen hat, musste damals 220 Euro dafür bezahlen. Vier Jahre später in Südafrika waren hierfür bereits 325 Euro fällig, 2014 in Brasilien 358 Euro und dieses Jahr in Russland verlangt die FIFA 370 Euro. Über den gesamten Zeitraum beträgt die Steigerung stolze 68 Prozent. „Nach einer drastischen Anhebung für die WM in Südafrika von 48 Prozent, fällt die Erhöhung bei den letzten beiden Turnieren mit zehn bzw. drei Prozent deutlich moderater aus“, sagt Studienautor Christoph Lesch, Senior Director bei Simon-Kucher & Partners. Die Erhöhungen für Gruppenspiele und sonstige K.O.-Rundenspiele liegen jeweils in einer ähnlichen Bandbreite wie das Finale. Umgerechnet auf eine jährliche Erhöhung über zwölf Jahre, fällt der Anstieg mit 4,4 Prozent nur leicht höher aus als die globale Steigerung des Verbraucherpreisindexes von 3,8 Prozent (vgl. Abbildung 1).

Für die Untersuchung wurden die jeweils günstigsten vergleichbaren Tickets der vier letzten Fußball-Weltmeisterschaften herangezogen. In der Kategorisierung des Weltfußballverbands FIFA sind das die Sitzplatzkarten der Kategorie 3. Noch günstiger sind die Sitzplätze in der Kategorie 4, die jedoch den Einwohnern des Veranstaltungslandes vorbehalten sind (Ausnahme bildet die WM 2006 in Deutschland, bei der diese Tickets auch für ausländische Fans erhältlich waren).

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Abbildung 1: Ticketpreise für WM-Finale (in Euro) sowie Preissteigerung (in Prozent und umgerechnet auf jährlichen Prozentsatz)

Preisanstieg variiert stark zwischen Ticketkategorien

„Betrachtet man die Preisentwicklung über die verschiedenen Ticketkategorien hinweg, so fällt auf, dass die Differenzierung der Erhöhungen im Verlauf der letzten Turniere deutlich sozialverträglicher ausfiel“, so Lesch. Wurden von 2006 auf 2010 die Tickets der günstigsten Kategorie 3 noch am stärksten erhöht, so fiel die Anhebung von 2010 auf 2014 mit zehn Prozent über alle Kategorien einheitlich aus. Von 2014 auf 2018 schließlich wurden die Final-Preise für die Sitze der teuersten Kategorie 1 mit elf Prozent deutlich stärker angezogen als in Kategorie 3 mit drei Prozent (vgl. Abbildung 2). 

 

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Abbildung 2: Durchschnittlicher Preisanstieg WM-Finaltickets 2006, 2010, 2014, 2018 für Kategorien 1-3

Sonderkonditionen für einheimische Fans

Besondere Konditionen gibt es für die einheimischen Fußballfans. Hier bietet die FIFA in der Kategorie 4 deutlich vergünstigte Tickets an. Tickets für Gruppenspiele gibt es in Russland bereits für 18 Euro, das Finale ist mit 99 Euro für rund ein Viertel des Preises, den ausländische Fans bezahlen, zu haben. Dazu Lesch: „Hier ist die FIFA in Bezug auf ihr Pricing besser aufgestellt als es ihr allgemeiner Ruf vermuten lässt und bemüht sich um ‚Fair Play‘ gegenüber den lokalen Fans.“

WM-Final Ticket so teuer wie FC Bayern Saisonkarte

Im Lichte der Preise für die Spiele der Fußball-WM erscheinen die Eintrittskarten für die Spiele der deutschen Bundesligisten geradezu günstig. Die preiswertesten Sitzplatzkarten sind je nach Verein in der Regel zwischen 20 und 35 Euro erhältlich. Für den Preis eines WM-Finaltickets erhielt man in der abgelaufenen Saison 2017/18 bei den meisten Bundesligisten bereits eine Sitzplatz-Saisonkarte für alle 17 Heimspiele in der Fußball-Bundesliga: Am günstigsten war die Saisonkarte mit 200 Euro beim VfL Wolfsburg, mit am teuersten beim SC Freiburg mit 415 Euro. Der FC Bayern München lag hier mit 340 Euro im Mittelfeld der Tabelle. Trotz der vergleichsweise günstigen Ticketpreise in Deutschland haben auch die Bundesligavereine die Preise seit 2006 deutlich angezogen. Der FC Bayern München beispielsweise verlangte in der abgelaufenen Saison 2017/18 35 Euro für die günstigste Sitzplatzkategorie in der Allianz-Arena, exakt 75 Prozent mehr als in der Saison 2005/06, als es die gleichen Sitzplätze noch für 20 Euro gab. Etwas vorsichtiger wurden die Preise für die Dauerkarteninhaber erhöht. Hier stieg der günstigste Preis der Münchner Bayern um 26 Prozent von 250 Euro auf 340 Euro an. Auch der DFB hat sein nationales Top-Event, das DFB-Pokalfinale, deutlich verteuert. Für die Wiederauflage des Finales von 2006 müssen die Fans von Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München 2018 glatt den doppelten Preis zahlen, nämlich 60 Euro für den günstigsten Sitzplatz.

Im Vergleich zu WM und Bundesliga sind die Preise für das Endspiel der Champions League seit 2006 nur moderat gestiegen. Im Jahr 2018 müssen Fans für das günstigste Ticket 70 Euro bezahlen, das sind nur 17 Prozent mehr als die 60 Euro aus 2006. Auch das Finale der Europa League kostet mit 45 Euro nur 29 Prozent mehr als vor zwölf Jahren (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Preissteigerung verschiedener Fußball-Events 2006 zu 2018
Abbildung 3: Preissteigerung verschiedener Fußball-Events 2006 zu 2018

Anmerkungen zur Untersuchung:

  • Sofern nicht anders gekennzeichnet, beziehen sich alle Preise auf die günstigste, frei verkäufliche Sitzplatzkategorie ohne etwaige Vergünstigungen. 
  • Für die Berechnung wurden nur die offiziellen Preise der FIFA berücksichtigt. Diese wurden in US-Dollar und lokaler Währung publiziert. Für 2006 wurden die damals in Euro publizierten Preise herangezogen (durchschnittlicher Wechselkurs Januar bis Mai 2006: 1 EUR = 1,22 USD). Für 2010, 2014 und 2018 wurden die Preise von US-Dollar in Euro umgerechnet und ein durchschnittlicher Wechselkurs über den Zeitraum Januar bis Mai 2018 angewandt (1 EUR = 1,23 USD). Für die nur in russischen Rubel ausgewiesenen Tickets der Kategorie 4 der WM 2018 in Russland wurde ein durchschnittlicher Wechselkurs über den Zeitraum Januar bis Mai 2018 angewandt (1 EUR = 0,014 RUB). 

Simon-Kucher & Partners, Strategy & Marketing Consultants: Die Beratungsarbeit von Simon-Kucher & Partners ist ganz auf TopLine Power® ausgerichtet. Laut mehrerer Studien unter deutschen Top-Managern (manager magazin, Wirtschaftswoche, brand eins) ist Simon-Kucher bester Marketing- und Vertriebsberater und führend im Bereich Pricing und Wertsteigerung. Die Unternehmensberatung ist mit über 1.100 Mitarbeitern in 36 Büros weltweit vertreten.