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Schutz statt Scheinrabatte: Policen konsequent verschlanken

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Teurere Schäden, höhere Prämien und ein Rabattwettlauf. Um Kunden von Hausratpolicen und Gebäudeversicherungen zu halten, locken die Versicherer mit Rabatten. Es ist ein Spiel auf Zeit. Rabatte schaffen falsche Anreize, statt Produkte konsequent an Kundenbedürfnissen auszurichten. Notwendig wären verschlankte, modulare Policen mit klaren Prioritäten.

Ist die Schweiz ein Volk von Überversicherten? Eher: Ein Volk von falsch Versicherten. Undichte Duschfugen zum Beispiel, ein Schaden, der häufig vorkommt in Wohnungen und Häusern, haben ein enormes Schadenpotenzial und können existenzbedrohend sein. Trotzdem ist ihre Deckung in Hausrat- oder Gebäudepolicen, wenn überhaupt, im Kleingedruckten zu finden oder sogar als Ausschluss definiert.

Die Schadenlasten durch Extremereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen und andere Naturgefahren nehmen zu. Gleichzeitig haben sich Baukosten verteuert. Bei Bauteilen aus dem Ausland, wo die Teuerung höher ist als in der Schweiz, schlägt die Inflation voll durch. Hinzu kommen die gestiegenen Rückversicherungskosten der Versicherer.

Hauseigentümer müssen sich zwar in fast allen Kantonen gegen Feuer- und Elementarschäden absichern. Doch zentrale Risiken wie Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Leitungswasserschäden, Heizungen, Lifte, Glasbruch oder Vandalismus, wie zum Beispiel Graffiti, sind nicht zwingender Bestandteil der obligatorischen Gebäudeversicherungen. Wer auf Nummer sicher geht, versichert deshalb seine Immobilie zusätzlich.

Anbieter von Hausratpolicen und Gebäudeversicherungen müssen oftmals die Prämien erhöhen. Die Kunden sind heute jedoch volatiler und schauen sich nach dem erstbesten billigeren Anbieter um.

Rabatte als Risiko

Grundsätzlich sollte nur jemand, der durch bauliche Massnahmen oder Brandschutz ein geringeres Schadensrisiko mitbringt, von einem Prämiennachlass profitieren. Doch um ihre Produkte besser im Markt zu platzieren, gewähren die Versicherer Rabatte. Sie sind zu einem blossen Verkaufsargument geworden.

Die Folge: Es werden preiswerte Verträge abgeschlossen, die mit hohen Risiken belastet sind.

Hinzu kommen für die Versicherer eine sinkende Profitabilität, geringere Preisdurchsetzbarkeit und eine sich selbst verstärkende Rabattspirale. Bei den Wohngebäudeversicherungen übersteigen die Ausgaben für Schäden und Kosten die Prämieneinnahmen.

Ein weiteres Kernproblem: Die Produkte sind überladen und unübersichtlich. Kurz gesagt: Die Versicherten sind überfordert. Im Dschungel der Policen verliert ein Laie schnell den Überblick.

Überforderung durch Komplexität

Rabatte verdecken Konstruktionsfehler in Policen. Überladene Gebäude- und Hausratversicherungen enthalten viele irrelevante Zusatzleistungen, während existenzielle Risiken – etwa Aufräumkosten nach Bränden oder Naturgefahren – in den Hintergrund treten. Unklare Klauseln schaffen zudem gefährliche Lücken: Ein Keller kann unversichert bleiben, wenn technische Vorgaben nicht exakt erfüllt sind. Das Resultat ist Vertrauensverlust. Die Kunden zahlen für Schein-Mehrwert und zweifeln am Schutz im Ernstfall.

Der Vertrieb im Spannungsfeld

Zwischen Kunden und Versicherern steht der Agentur-Vertrieb. Er hat keinen Einfluss auf Produkte oder Rabattmodelle, muss sie aber einsetzen – und zugleich die Unzufriedenheit der Kunden aushalten. Er fungiert als Brücke zwischen Markt und Versicherer: übersetzt Anforderungen, bringt Feedback zurück und trägt so entscheidend zum Erfolg bei.

Die aktuelle Situation: Kunden erleben ein undurchsichtiges Preisgefüge, Versicherer kämpfen mit schwachen Margen, und der Vertrieb muss Unzufriedenheit auf beiden Seiten ausgleichen. Es braucht ein radikales Umdenken.

Modulare und verständliche Angebote

Um die Gebäude- und Hausratsversicherungen zukunftsfähig zu machen, braucht es klare Prioritäten:

  • Einfachheit: Schlanke, modulare Produkte mit Fokus auf existenzielle Risiken.
  • Fairer Preis: Tarife nach individuellem Risiko statt pauschaler Zuschläge.
  • Gezielte Rabatte: Anlassbezogen und nachvollziehbar, nicht inflationär.
  • Vergütungen: Belohnung von Qualität und Kundenorientierung statt reiner Stückzahlen.
  • Kundenorientierung: Transparenz, Verständlichkeit und Verlässlichkeit als Leitlinien – damit gewinnt man Vertrauen zurück.

Die Schweizer Versicherungsbranche hat eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe: Menschen und Unternehmen vor existenzbedrohenden Risiken zu schützen. Um den Druck, unter dem sie steht, zu bewältigen, braucht die Branche aber kein Mehr an Rabatten. Vielmehr sollte sie sich von kurzfristigen Rabattstrategien lösen und eine konsequente Kundenzentrierung leben.

Versicherer, die diese Transformation jetzt mutig und aktiv anstossen, werden nicht nur Profitabilität sichern, sondern auch das Vertrauen ihrer Kunden zurückgewinnen.

Sie möchten mehr über kundenzentrierte Strategien erfahren? Dann kontaktieren Sie gerne unsere Simon-Kucher-Experten für die Versicherungsbranche.

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