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Industrials Trends 2026: Wachstum in einer neuen Realität

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Nach Jahren der Disruption ist Volatilität die neue Konstante. Die Schocks von 2025 – von Zollstreitigkeiten über Energiepreisschwankungen bis hin zur abflauenden globalen Nachfrage – wirken in dieser Hinsicht nicht mehr sonderlich außergewöhnlich. Sie sind Teil einer neuen Realität.  

Um diese Dynamik besser zu verstehen, haben unsere Strategieexperten aus Europa und den USA die Marktentwicklungen analysiert und die entscheidenden Trends für 2026 diskutiert. Dabei wird deutlich: Ob in den USA oder im DACH-Raum – das Chaos im Markt ist zur Gewohnheit geworden, und die Unternehmen stellen sich darauf ein.

Vor allem in den USA und Europa richtet sich die Industriewirtschaft neu aus. Während US-Firmen abwägen, ob staatliche Investitionen und Zölle das „Reshoring“ tatsächlich beschleunigen oder nur die kurzfristige Nachfrage aufblähen, herrscht in Europa – trotz der vielen Herausforderungen in den heimischen Märkten – verhaltener Optimismus bezüglich des 500-Milliarden-Euro-Konjunkturpakets. Die zentrale Frage lautet hier: Werden diese Mittel echte Infrastruktur und Innovation befeuern oder im bürokratischen Apparat versickern? 

In diesem Umfeld ist Wachstum harte Arbeit.  Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Bewältigung des Kostendrucks, sondern um die aktive Gestaltung der Umsatzseite. Fundamentaldaten zählen noch deutlich mehr als in den letzten Jahren. Industrieunternehmen besinnen sich auf das Wesentliche: ein tiefes Verständnis ihrer Kunden, die Schärfung ihrer Zielkundenprofile und den Einsatz moderner Vertriebsmethoden, um Mehrwert aus bestehenden Beziehungen zu schöpfen. 

Das Narrativ für 2026 lautet nicht, auf Stabilität zu warten, sondern ohne sie zu prosperieren. Im Dialog unserer globalen Sektorexperten haben sich drei Schwerpunkte herauskristallisiert, die den Industriesektor im kommenden Jahr definieren werden:

Evolution statt Revolution: Industrials gewinnen mit „Everyday AI“

Anders als im Tech- oder Finanzsektor, wo frühe KI-Adaption oft radikale Umbrüche bedeutete, ist die KI-Story in der Industrie eine der stetigen, inkrementellen Transformation. Die erste Welle richtete sich nach innen: bessere Analytik, automatisierter Datentransfer und optimierte Governance. Für die meisten Unternehmen sind diese Anwendungen heute bloße Hygienefaktoren. Die nächste Welle zielt auf Kundeninteraktion und Commercial Enablement.

Immer mehr Industrieunternehmen adaptieren mittlerweile erfolgreiche Playbooks aus der Software- und Service-Welt. Sie wenden Wachstumshebel im SaaS-Stil – wie Cross-Selling, Up-Selling und Retention-Analytik – auf den Außendienst, die Fertigung und ihren Vertrieb an. In diesen kleinen, aber wirkungsvollen Anwendungsfällen beweist KI ihren wirklichen Nutzen.

Anstatt einer „Big Bang“-Transformation jagen Industrieunternehmen nicht mehr dem einen großen Wurf hinterher. Sie erkennen, dass der Erfolg darin liegt, analoge „Painpoints“ zu digitalisieren und KI dort einzusetzen, wo sie messbare Ergebnisse schafft.

2026 wird KI zum echten „Enabler“, der traditionellen Unternehmen hilft, so agil wie Digitalunternehmen zu agieren. Dazu gehört die Schaffung neuer Rollen in den Bereichen Enablement und Growth Operations, um die Lücke zwischen Legacy-Systemen und datengestützter Entscheidungsfindung zu schließen. Für den Mittelstand, insbesondere Europas Hidden Champions, ist dieser Ansatz zugänglich, risikoarm und transformativ. Es geht darum, tausende kleine, intelligente Schritte in einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil zu verwandeln.

Der Private-Equity-Reset: Von Financial Engineering zu Operational Excellence

Im letzten Jahrzehnt war Private Equity (PE) der Herzschlag der globalen Kapitalströme und trieb industrielle Transformation und Konsolidierung voran. Doch zuletzt dominierten andere Schlagzeilen: Billionen an „Dry Powder“ und Rekord-Fundraising standen einem stockenden Deal-Flow gegenüber. Mit Blick auf 2026 stellt sich die Frage: Kommt der PE-Motor wieder ins Laufen?

Die Antwort ist nicht binär. Nach Jahren verhaltener Aktivität und verlängerter Haltedauern wächst der Druck, Kapital freizusetzen, Investoren auszuzahlen und Deal-Zyklen neu zu starten. In den USA hat der Markt möglicherweise „Peak PE“ erreicht, was auf Konsolidierung hindeutet. In Europa könnten sich stabilisierende Zinsen und eine nachlassende Inflation ein begrenztes, aber wertvolles Fenster für Transaktionen öffnen.

Zu den Gewinnern dieses neuen Zyklus zählen jedoch nicht jene, die sich allein auf Leverage-Effekte oder Buy-and-Build-Strategien verlassen. Gewinnen werden die Fonds, die echte operative Performance vorantreiben und das EBITDA durch Systemverbesserungen, Digitalisierung und Commercial Excellence steigern. Unsere aktuelle Private Equity Value Creation Study 2025 zeigt eine klare Verschiebung: „Systeme und Infrastruktur“ sind von einem nachrangigen Hebel zu einer der Top-3-Investitionsprioritäten für 2026 aufgestiegen.

Dies signalisiert eine neue Ära für Industrial PE: Mit Fokus auf das Fundament, nicht nur auf die Finanzen. Da KI und Automatisierung ganze Branchen umgestalten, erkennen Fonds, dass Kapital allein nicht ausreicht. Es bedarf eines technologischen und operativen Rückgrats, um Wertsteigerung nachhaltig zu sichern. Agilität schlägt Größe: Die Fonds, die am schnellsten lernen – besonders bei der KI-Adaption – werden die nächste Welle des PE-Erfolgs definieren. 

Green Growth nach dem Hype: Nachhaltigkeit als Strategie, nicht als Slogan

Von Dekarbonisierungszielen bis zu ESG-Ratings trug Nachhaltigkeit über viele Jahre eine gewisse Dringlichkeit und ein hohes moralisches Prestige in sich. Doch 2025 warfen wirtschaftliche Volatilität, Energieschocks und politische Polarisierung in vielen Köpfen die Frage nach dem Ende dieser Ära auf: Ist ESG tot?

Bei Simon-Kucher sind wir überzeugt: Es ist nicht tot, aber es wird erwachsen. Der Industriesektor ist in die „Post-Hype-Ära“ der Nachhaltigkeit eingetreten. Fortschritt misst sich weniger an Botschaften als an messbarem Impact. Die Diskussion hat sich vom „Warum“ zum „Wie“ verschoben. Industrieunternehmen, lange für ihre hohe CO2-Intensität kritisiert, verankern Nachhaltigkeit nun fest in Beschaffung, Lieferketten, Compliance und Prozessoptimierung. Europa bleibt Vorreiter, aber die Umsetzung wird weltweit rationaler und renditeorientierter. Nachhaltigkeitsbemühungen müssen sich auszahlen – und das tun sie zunehmend.

Kosteneinsparungen durch Energieeffizienz, Abfallreduzierung und Kreislaufwirtschaft gehen heute Hand in Hand mit ESG-Zielen. In einigen Sektoren, wie etwa bei Verpackungen, gibt es dabei noch ein sichtbares „Green Premium“. Verbraucher bevorzugen nachhaltige Optionen, wenn Leistung und Preis identisch sind. Doch für die meisten ist Nachhaltigkeit zu einem Hygienefaktor geworden – eine Grundvoraussetzung, kein Differenzierungsmerkmal mehr.

Diese Normalisierung macht ESG nicht weniger relevant, sondern beständiger. Der Hype mag verflogen sein, aber die Fundamentaldaten bleiben bestehen. Unternehmen, die den Fokus behalten, bauen langfristige Resilienz und Markenvertrauen auf. Wer sich zurückzieht, riskiert, von verschärften Regulierungen und steigenden Erwartungen unvorbereitet getroffen zu werden. 

Fazit: Wachstum neu definiert

Im Jahr 2026 bedeutet „Wachstum“ im Industriesektor nicht mehr einfach nur, größer zu werden. Nach Jahren der Volatilität und reaktiven Entscheidungen wird Wachstum neu definiert: nicht als undifferenzierte Expansion, sondern als Optimierung, Präzision und Ausdauer. Erfolg hängt davon ab, intelligenter zu werden, nicht nur größer.

Die Gewinner finden und skalieren kleine Chancen mit Disziplin und Geschwindigkeit. Das Wachstum im Industriesektor wird ungleichmäßig verteilt sein, aber es ist für jene Unternehmen durchaus vorhanden, die wissen, wonach sie suchen müssen. Wer Agilität mit operativer Exzellenz paart, Daten intelligent nutzt und neue Technologien zielgerichtet einsetzt, wird auch in einer Welt mit geringem Wachstum prosperieren. Kleinere, agilere Volkswirtschaften könnten die großen überholen, bis letztere „ihre Hausaufgaben gemacht haben“.

2025 stand im Zeichen der Reaktion auf Schocks. 2026 wird diejenigen belohnen, die durchhalten. Wachstum bedeutet jetzt Stehvermögen: die Fähigkeit, effizient zu operieren, anpassungsfähig zu bleiben und sich vorwärtszubewegen, auch wenn die Volatilität endlos erscheint.

Unsere Industrieexperten helfen Ihnen dabei, Volatilität zu bewältigen, die Leistung zu optimieren und intelligenteres, nachhaltigeres Wachstum zu erzielen. Erfahren Sie hier mehr über unsere Services.

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