Die Produktsuche verändert sich grundlegend: Statt über Suchmaschinen und Vergleichsportale erkundigen sich Kunden bei ChatGPT, Gemini oder Claude nach dem passenden Bankprodukt. Damit entscheidet künftig nicht allein die Qualität eines Produkts über den Erfolg, sondern auch seine „KI-Lesbarkeit“. Was das für Regionalbanken bedeutet und welche Schritte jetzt anstehen.
„Welches Depot eignet sich für den langfristigen Vermögensaufbau?“
„Sollte ich mein Geld aktuell lieber auf einem Tagesgeldkonto parken oder investieren?“
„Welche Bank bietet die beste Kombination aus digitalem Service und persönlicher Beratung?“
Fragen wie diese wurden noch vor wenigen Jahren in der Regel über Suchmaschinen recherchiert, auf Vergleichsportalen beantwortet oder in einem persönlichen Beratungsgespräch gestellt. Heute richten Verbraucher solche Fragen zunehmend an ChatGPT, Gemini, Claude oder andere KI-Assistenten.
Innerhalb weniger Sekunden erhalten sie übersichtliche Antworten, Vergleiche verschiedener Anbieter und konkrete Empfehlungen, die auf ihre individuelle Situation zugeschnitten sind. Damit verändert sich, wie Finanzprodukte wahrgenommen, verglichen und letztlich ausgewählt werden.
Diese Entwicklung betrifft nicht mehr nur einzelne Produktkategorien. Ob Girokonto, Wertpapierdepot, Vermögensverwaltung, Finanzierung oder Tagesgeld: Für viele finanzielle Entscheidungen sind KI-Systeme inzwischen die erste Anlaufstelle.
Besonders sichtbar wird dieser Wandel im Girokontogeschäft. Kunden nutzen KI-Assistenten dabei nicht nur für klassische Produktvergleiche, sondern auch zur Einordnung neuer Preis- und Leistungsmodelle ihrer Hausbank: Verschickt die Bank etwa ein Anschreiben zur Zustimmung zu neuen Modellen, fotografieren Kunden dieses Schreiben, fügen es dem Prompt bei und bitten um eine Einschätzung des neuen Angebots.
Für Regionalbanken entsteht dadurch eine neue Realität. Nicht mehr allein die Qualität eines Produkts entscheidet über dessen Erfolg. Ebenso relevant ist, wie verständlich und überzeugend sein Mehrwert in einer KI-gestützten Customer Journey vermittelt wird.
Vom Suchmaschinen-Zeitalter zur KI-Empfehlung
Jahrelang investierten Banken erhebliche Ressourcen in Suchmaschinenoptimierung, Online-Marketing und Vergleichsportale. Ziel war es, möglichst sichtbar zu sein, wenn Kunden aktiv nach Produkten suchten.
Mit dem Aufstieg generativer KI verschiebt sich dieser Mechanismus. Kunden erhalten direkt eine Empfehlung, ohne sich durch zahlreiche Webseiten klicken zu müssen.
Ein Kunde fragt beispielsweise:
„Ich bin 35 Jahre alt, nutze hauptsächlich Online-Banking, benötige aber gelegentlich persönliche Beratung. Welches Konto eignet sich für mich?“
Ein KI-System bewertet daraufhin nicht nur einzelne Preise oder Produktmerkmale. Vielmehr entsteht ein Gesamtbild aus Kosten, Leistungsumfang, digitalem Angebot, Beratungsqualität und Service, bezogen auf die jeweilige Kundensituation.
Daraus folgt für Banken eine neue Anforderung: Produkte müssen für Menschen attraktiv und zugleich für KI-Systeme verständlich sowie vergleichbar sein.
Die unterschätzten Stärken der Regionalbanken
Auf den ersten Blick scheinen Direktbanken von dieser Entwicklung zu profitieren. Häufig sind ihre Angebote einfach strukturiert, digital optimiert und leicht vergleichbar.
Regionalbanken verfügen jedoch über Wettbewerbsvorteile, die in klassischen Produktvergleichen kaum zur Geltung kommen:
- Persönliche Beratung
- Regionale Verankerung
- Vertrauensvolle Kundenbeziehungen
- Ganzheitliche Beratung für Privat- und Firmenkunden aus einer Hand
- Starkes Netzwerk innerhalb der Region
Die Stärken fehlen also nicht. Sie werden nur oft nicht so kommuniziert, dass digitale Assistenten oder automatisierte Vergleiche diese unmittelbar erkennen.
Eine Aussage wie „Wir sind nah am Kunden“ ist zwar sympathisch, liefert aber kaum verwertbare Informationen.
Eine deutlich stärkere Formulierung wäre:
„Kunden können innerhalb von 15 Minuten eine persönliche Beratung in einer von neun Filialen vor Ort erhalten und gleichzeitig alle wesentlichen Bankgeschäfte digital über die App abwickeln.“
Hier wird der konkrete Kundennutzen sowohl für Menschen als auch für KI-Systeme greifbar.
Die neue Herausforderung: KI-Lesbarkeit von Produkten
Viele Finanzprodukte sind über Jahre gewachsen. Unterschiedliche Preisbestandteile, komplexe Leistungsbündel und historisch entstandene Produktstrukturen erschweren die heutige Kundenkommunikation.
Für KI-Systeme verschärft sich dieses Problem: Häufig sind relevante Informationen über verschiedene Webseiten verteilt, in Preisverzeichnissen versteckt oder ausschließlich in PDF-Dokumenten verfügbar. Zudem werden Produkte oft inkonsistent beschrieben oder nicht klar auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet.
Dadurch entsteht eine neue Form von Wettbewerbsrisiko. Ein Produkt kann noch so wirtschaftlich attraktiv und kundenorientiert sein. Wenn dessen Vorteile für KI-Systeme nicht eindeutig erkennbar sind, läuft es Gefahr, in Empfehlungen schlechter abzuschneiden als vergleichbare Angebote.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur:
„Ist unser Produkt wettbewerbsfähig?“
Sondern vielmehr:
„Kann eine KI-gestützte Empfehlung den Mehrwert unseres Produkts überhaupt identifizieren und korrekt wiedergeben?“
KI-Sichtbarkeit als neue Dimension der Produkt- und Vertriebsstrategien
Generative KI verändert, wie Banken ihre Produkte und Kommunikation gestalten müssen.
Neben Preis, Leistung und Profitabilität rückt eine neue Frage in den Vordergrund: Wie gut sind unsere Angebote für KI-Systeme erkennbar? Banken müssen hier verstehen, welche Informationen über ihre Produkte öffentlich verfügbar sind, wie diese strukturiert werden und welche Rolle sie im Einsatz von KI-Assistenten spielen.
Genau damit beschäftigen wir uns bei Simon-Kucher und Simon-Kucher Elevate intensiv. Während Simon-Kucher seit vielen Jahren Banken bei der Gestaltung wettbewerbsfähiger Preis- und Produktstrategien unterstützt, untersucht Simon-Kucher Elevate die Auswirkungen neuer Technologien auf Vertrieb, Kundenerlebnis und digitale Sichtbarkeit.
Die Verbindung beider Perspektiven eröffnet eine neue Sicht auf die Zukunft des Bankgeschäfts: Ein Produkt entfaltet sein volles Potenzial nur dann, wenn sein Nutzen für Kunden und digitale Entscheidungshilfen gleichermaßen klar ist.
Welche Schritte Banken heute angehen sollten
Auch wenn die Auswirkungen generativer KI auf den Finanzvertrieb noch am Anfang stehen, sollten Banken bereits beginnen, ihre Produkte und Kommunikationsstrategien aus der Perspektive eines KI-gestützten Kunden zu betrachten.
- Produkte vereinfachen und klar positionieren: Je verständlicher Preisstrukturen und Leistungsversprechen formuliert sind, desto leichter können Kunden und KI-Systeme deren Nutzen erfassen.
- Produktinformationen strukturiert bereitstellen: Viele Banken verfügen bereits über hochwertige Produkte, deren Vorteile jedoch über unterschiedliche Kanäle verteilt sind. Künftig wird entscheidend sein, Informationen konsistent, transparent und leicht auffindbar bereitzustellen.
- KI-Wahrnehmungen regelmäßig testen: Institute müssen regelmäßig analysieren, wie ihre Produkte von KI-Systemen beschrieben und bewertet werden. Erste Tests liefern häufig überraschende Erkenntnisse darüber, welche Stärken wahrgenommen werden und welche Alleinstellungsmerkmale bislang kaum sichtbar sind.
- Stärken konkret kommunizieren: Persönliche Beratung, regionale Nähe und lokale Netzwerke bleiben starke Differenzierungsmerkmale. Entscheidend wird jedoch sein, diese Vorteile in nachvollziehbare Kundennutzen zu übersetzen, die auch außerhalb des klassischen Beratungsgesprächs verstanden werden.
Der Blick nach vorne
Die Nutzung von KI-Assistenten wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Für viele Kunden werden sie zur selbstverständlichen ersten Anlaufstelle bei finanziellen Entscheidungen.
Regionalbanken müssen sich deshalb nicht nur fragen, welche Produkte sie anbieten, sondern auch, wie intelligente Systeme diese wahrnehmen und bewerten.
Die Gewinner werden jene Institute sein, die starke Produkte mit einer klaren, transparenten und digital optimierten Kommunikation verknüpfen. Es geht darum, den tatsächlichen Kundennutzen so klar zu kommunizieren, dass ihn auch KI-Systeme erkennen.
Denn in einer Welt, in der KI-Assistenten zunehmend in der Rolle des digitalen Beraters auftreten, entscheidet nicht allein das beste Produkt über den Erfolg, sondern die Fähigkeit, dessen Mehrwert sichtbar zu kommunizieren.
Sie möchten wissen, wie KI-Systeme Ihre Produkte heute wahrnehmen? Kontaktieren Sie gerne unsere Experten.
